Jung trifft Alt – Projekt mit Mehr-Wert

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Eine Zwischen-Bilanz von Albert Gruber

Albert Gruber ist für die Gemeindeentwicklung im Salzburger Bildungswerk im Rahmen des Projektes „Jung trifft Alt“ als engagierter Referent tätig. Anlässlich des 10-jährigen Jubiläums zieht er im folgenden Beitrag Zwischen-Bilanz.

Wenn Jung auf Alt trifft …
Es war an einem nasskalten Herbsttag, als ich frühmorgens mit dem Fahrrad zu einem Seniorenheim der Stadt Salzburg fuhr. Auf dem Tagesprogramm stand „Klinischer Unterricht“ (Schwerpunkt „Animation“) mit zwei Schülerinnen der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege am Landeskrankenhaus. Uns wurde unter anderem eine hochbetagte Bewohnerin zugeteilt – mit dem Hinweis, sie sei auf Grund ihrer fortgeschrittenen Demenz schon sehr verwirrt, überwiegend teilnahmslos und spricht nicht mehr. Die beiden Schülerinnen legten all ihr Wissen, all ihr Können und Bemühen in die Durchführung der gestellten Aufgaben und – was nicht oft zutrifft – sie hatten auch genügend Zeit, um eine „Wohlfühlatmosphäre“ zu schaffen.

… ist vieles möglich!
Als stiller Beobachter bemerkte ich, dass sich die Gesichtszüge der alten Dame während der Übungen und Spiele und einem „Schönheitsstudio“ mehr und mehr entspannten, die Augen wieder einen gewissen Glanz widerspiegelten und die Mundwinkel ein leichtes Lächeln formten. Als sich die betagte Dame dann dezent geschminkt und schön frisiert im Spiegel betrachtete, hörten wir tatsächlich ein „glückliches Glucksen“ ihrer Stimme – ein wahrer Glücksmoment für uns alle. Aber die größte Überraschung war am Ende unserer „Unterrichtszeit“. Denn, als wir beim Abschied schon in der Türe standen, sagte sie plötzlich: „Kommt‘s bald wieder!“ Wir staunten und lachten und sagten: „Ja, wir kommen gerne wieder!“

Hohes „Solidaritätspotential“ zwischen alten und jungen Menschen
Es ist schon ein besonderes Erlebnis, wenn sich durch ehrliche Zuwendung ein alter Mensch trotz seiner Gebrechen wieder dem Leben öffnet. Und das scheint der jungen Generation am besten zu gelingen! Jugend und ältere Menschen faszinieren sich offensichtlich gegenseitig, ziehen sich an und können dadurch wunderbar voneinander profitieren. Zwischen alten und jungen Menschen besteht nämlich, laut soziologischen Studien, ein hohes „Solidaritätspotential“, eine natürliche Verbundenheit, die es beiderseits zu wecken gilt und die für ein gutes Miteinander unbedingt praktisch werden muss. Leider kommen in unserer technisierten Welt Gespräche, in denen man Menschen persönlich kennenlernt, Freunde findet und sich mit anderen Meinungen und Lebenswelten auseinandersetzt, oft viel zu kurz. Aber gerade ältere Menschen haben, trotz ihrer Einschränkungen, das Bedürfnis, dazuzugehören, teilzuhaben, sich nützlich zu fühlen, zu kommunizieren, Neues kennenzulernen und etwas weitergeben zu können.

Freundschaften à la Carte …
Die Jugend wiederum bekommt durch den Austausch mit den alten Menschen einen besonderen Blick auf das Leben, denn „Reichtum an Erfahrung ist ein Gut des älteren Menschen, das ihn für eine lebendige Gemeinschaft unentbehrlich macht.“ (Dr. Ernst Schneider)
Es ist aber auch Tatsache, dass der Kontakt zwischen den Generationen ein gewisses Abenteuer ist und bleibt. Denn jede Generation hat so ihre ganz eigenen Prägungen und es verlangt von beiden Seiten eine große Portion an Bereitschaft, diese Andersartigkeit zu akzeptieren und zu würdigen! Gelingt aber auf diese Weise die Begegnung zwischen Alt und Jung, öffnen sich einander die Lebenswelten und es entsteht ein gegenseitiges Verstehen – ja noch mehr, es entstehen Freundschaften sozusagen „à la Carte“!

Und genau dafür wurde vor 10 Jahren das Projekt „Jung trifft Alt“ ins Leben gerufen! Dieses wunderbare Programm hilft der engagierten Jugend, ihre latente Verbundenheit zum alten Menschen, ihr Solidaritätspotential und ihre soziale Kompetenz zu entdecken und kreativ zu entwickeln. Die Jugend lernt, in die Welt der Alten einzutauchen, mit ihnen zu kommunizieren, zu spielen, zu basteln, zu musizieren, … letztendlich alles, um mehr Lebensfreude zu vermitteln!

Jung trifft Alt – dieses Projekt ist für unsere Gesellschaft unentbehrlich geworden! Warum? Die Antwort habe ich bei Albert Schweizer gefunden:
„Um Glück und Zufriedenheit zu erfahren, schafft Euch ein Nebenamt, ein unscheinbares, vielleicht sogar ein geheimes Nebenamt! Tut die Augen auf und suchet, wo ein Mensch, oder ein Menschen gewidmetes Werk ein bisschen Freundlichkeit, ein bisschen Teilnahme, ein bisschen Gesellschaft, ein bisschen Arbeit eines Menschen braucht.“

Also, lasst uns – in diesem Sinne – fröhlich weitermachen!

Albert Gruber ist Akad. Lehrer für Gesundheitsberufe.